KATARINA PRIVAT

Ich bin Europäerin durch und durch

Das hat mit meiner Familiengeschichte zu tun. Ich wurde in Köln geboren und habe dort meine Kindheit und Jugend verbracht. Mein Vater ist Brite, meine Mutter Deutsche.

Mein Nachname, der fällt durchaus auf. Er wird wie Bob Marley ausgesprochen. Kann man sich gut merken.

Ich habe beide Staatsangehörigkeiten, fühle mich in erster Linie aber als Europäerin.

Meine Eltern

Mein Vater, Jahrgang 1935, wuchs in der Nähe der einzigen Basis der Royal Air Force auf, in der Piloten ausgebildet worden. Er liebte es als Kind, die Flugzeuge zu beobachten, die dort aufstiegen.

Meine Mutter wiederum ist ein Flüchtlingskind, geboren 1940. Einen Tag nach den verheerenden Bombardierungen durch die britische Armee flüchtete sie mit ihrer Familie durch Dresden.

Dieselben Bomber, denen mein Vater als Kind zujubelte, hätten um ein Haar seine spätere Frau treffen können, meine Mutter. Das hat sich tief in das Bewusstsein meiner Familie eingebrannt.

Ein politisches Elternhaus

Mein Elternhaus war immer politisch, wenn auch nicht parteipolitisch gebunden. Diskussionen über tagespolitische Ereignisse wurden leidenschaftlich geführt und noch heute freue ich mich auf diese Gespräche, wenn ich mal wieder dort bin.

Studium

Nach dem Abitur 1987 studierte ich Rechtswissenschaften in Marburg. Für mich war immer schon klar, dass ich auch mal im Ausland leben wollte. Das Studium bot dazu die Chance. Ein Erasmus-Stipendium ermöglichte mir nämlich ein Studienjahr in Frankreichs Hauptstadt Paris.

Dort lernte ich den Mann kennen, den ich später heiratete und der Vater meiner Kinder wurde. Er ist halb Spanier, halb Niederländer.

Meine beiden Kinder, diese wundervollen jungen Männer, haben daher Großeltern aus vier unterschiedlichen Ländern: Niederlande, Großbritannien, Spanien und Deutschland. Ich finde das großartig, denn so ist ihr Horizont weit. Sprachlich, kulturell, kulinarisch, in vielerlei Hinsicht.

 In Karlsruhe

Nach dem Zweiten Staatsexamen und meiner Doktorarbeit trat ich meine erste Stelle als Rechtsanwältin in einer Hamburger Großkanzlei an. 1999 wechselte ich zum Wissenschaftlichen Dienst des Landtags Rheinland-Pfalz.

Dort erreichte mich 2001 die Anfrage vom Bundesverfassungsgericht, ob ich dort als wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig sein wollte. Was für eine Frage…?! Für Juristinnen und Juristen ist das eine riesige Ehre und eine große Herausforderung. Für mich gehört diese Zeit zu den Höhepunkten im Leben.

Das konnte nur noch auf eine Weise „getoppt“ werden: Meine Zeit in Karlsruhe endete mit dem Mutterschutz und der Geburt meines zweiten Sohnes. 2005 ging ich zurück ins Berufsleben und wurde unter anderem Richterin. 2013 wurde ich in den Bundestag gewählt.

Meine Heimat Trier

Bereits 2001 hat es mich nach Trier verschlagen – in eine Region, die am Rande Deutschlands, aber im Herzen von Europa liegt.

Wo viele Menschen in europäischen Einrichtungen arbeiten oder indirekt von ihnen leben. Wo Grenzen jeden Tag ganz selbstverständlich überquert werden, zum Arbeiten, zum Einkaufen, in der Freizeit. Hier gibt es täglich weit über 200.000 Berufspendler.

Von meinem Wohnort aus kann man mit dem Fahrrad an einem Tag vier Länder durchqueren. Wir haben grenzüberschreitende Projekte mit Luxemburg oder Frankreich wie gemeinsame Schulen, Sportanlagen, Klärwerke, Rettungsdienste.

Diese Region ist so stark miteinander verbunden, dass man manchmal vergisst, wie oft sie schon Schlachtfeld war.

KATARINA POLITISCH

Eintritt in die SPD

Für mich war früh klar, dass meine politische Heimat die SPD werden sollte. Soziale Gerechtigkeit stand für mich immer im Vordergrund.

Die Ungerechtigkeit, dass nach wie vor die soziale Herkunft über den Erfolg im Leben entscheidet, dass Armut krank und Krankheit arm macht, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter aufgeht, treibt mich immer noch um.

Außerdem wollte ich Mitglied einer Volkspartei werden. Denn ich finde ich es wichtig, meine Positionen mit Mitstreiterinnen und Mitstreitern aus allen gesellschaftlichen Bereichen ausfechten zu dürfen und zu müssen. Und ich will Politik machen, die für unser Land und Europa insgesamt gut ist – nicht nur für eine kleine Interessengruppe.

1994 bin ich deshalb in die SPD eingetreten und wurde gleich Vorstandsmitglied in meinem Ortsverein Trier-Nord sowie Mitglied im Ortsbeirat Trier-Nord. Bei den Jusos war ich auch von Beginn an aktiv, als Mitglied im Stadtverbandsvorstand und später beim Landesvorstand kooptiert für die Bereiche Ausländer und Asyl. Im Laufe der Jahre engagierte ich mich außerdem im Stadtverbandsvorstand Trier, bei der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen und bei der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Juristinnen und Juristen.

2001 zogen wir nach Schweich. Dort wurde mir eine echte politische Herausforderung angetragen: Für die SPD Trier-Saarburg habe ich im Juni 2005 als Landrätin kandidiert. Die Nominierung fand in einer mitgliederoffenen Versammlung statt; von 258 erschienenen Mitgliedern erhielt ich 100 % der Stimmen. Nach einem engagierten Wahlkampf, der von mir und meiner Partei mit viel Leidenschaft geführt wurde, erzielte ich das tolle Stimmenergebnis von 44,6 %.

Seit 2005 bin ich Mitglied des Kreisvorstands Trier-Saarburg, zunächst als Beisitzerin, von 2010 bis 2016 als Vorsitzende.

Am 3. November 2012 machte mich die Wahlkreiskonferenz der SPD, bestehend aus Mitgliedern aus Trier und Trier-Saarburg, mit überwältigender Mehrheit zu ihrer Wahlkreiskandidatin für die Bundestagswahl am 22. September 2013.

Von 2014 bis 2015 war ich Mitglied im Verbandsgemeinderat Schweich an der römischen Weinstraße, Stadtratsmitglied der Stadt Schweich sowie Mitglied im Kreistag Trier-Saarburg. 

Über die Landesliste der rheinland-pfälzischen SPD konnte ich in den Bundestag einziehen. Seit der Konstitutierung des Parlaments in seiner 18. Wahlperiode am 22. Oktober 2013 bin ich also Bundestagsabgeordnete und Mitglied der SPD-Bundestagsfraktion. Als Abgeordnete im Wahlkreis Trier vertrat ich die Interessen der Menschen in der Stadt Trier und im Landkreis Trier-Saarburg. Außerdem betreute ich für die SPD als Bundestagsabgeordnete den Eifelkreis Bitburg-Prüm und den Landkreis Bernkastel-Wittlich.

Generalsekretärin der SPD

2015 wurde ich zur Generalsekretärin der SPD gewählt. Ich liebe diese Partei! Die Sozialdemokratie hat eine so inspirierende Geschichte, auf die sie aufbaut. Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität sind die wichtigsten Werte der Sozialdemokratie – seit über 150 Jahren schon. Auch in einer Welt, die sich schnell verändert und immer neue politische Lösungen braucht, haben sie Bestand. 

Wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten sind überzeugt, dass Fortschritt möglich ist. Mit viel Engagement, guten Ideen und dem richtigen Teamgeist kann es auch in unserer oft so komplizierten Welt gelingen, das Leben für die Menschen besser zu machen. Nicht nur für wenige, sondern für alle. 

Und ich treffe in meiner Partei oft auf unglaublich engagierte, tolle Menschen, die sich Tag für Tag für unser Land stark machen. Das motiviert!

Verantwortung in der Regierung

Im Juni 2017 wurde ich Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und nach der Wahl 2017 zusätzlich geschäftsführende Arbeits- und Sozialministerin. Von März 2018 bis Juni 2019 war ich Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz.

Europäisches Parlament

Noch nie zuvor ist ein Mitglied der Bundesregierung in das Europäische Parlament gewechselt. Unsere Zeit – in der Populisten und Nationalisten Europa von innen zerschlagen wollen – erfordert, dass die überzeugtesten Europäerinnen und Europäer den Zusammenhalt und die Einheit Europas verteidigen und stärken. Als Spitzenkandidatin der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands bin ich deshalb für die Europawahl am 26. Mai 2019 angetreten.

Am 2. Juli habe ich in der konstituierenden Sitzung des Europäischen Parlaments in Straßburg mein Mandat angenommen. Besonders hat mich gefreut, dass mich das Europäische Parlament mich zu seiner Vizepräsidentin gewählt hat.

KATARINA ENGAGIERT

 

Nur wer sich engagiert, kann die Welt verändern und besser machen. Die ehrenamtliche Arbeit ist in unserer Gesellschaft besonders wichtig. Wer sich engagiert, leistet einen Beitrag zum Gemeinwohl. Mein Dank gilt deshalb allen, die sich in ihrer Freizeit für ihre Mitmenschen einsetzen.

Die Verbundenheit mit meiner Heimat ist mir wichtig. Deshalb bin ich Mitglied im Heimat- und Verkehrsverein sowie in zwei Karnevalsvereinen meiner Heimatstadt Schweich. Für mich selbst ist das ehrenamtliche Engagement nicht nur ein Beitrag für das Miteinander in meiner Heimat, sondern es bietet mir stets auch einen Einblick in die Sorgen, Probleme und Wünsche der Menschen vor Ort. Deshalb unterstütze ich seit Langem die Arbeit der Arbeiterwohlfahrt (AWO) und des Deutschen Roten Kreuzes (DRK).

Als aktives ver.di-Mitglied setze ich mich für die Rechte aller abhängig Beschäftigten ein, als Mitglied des ver.di-Landesbeamtenbeirates insbesondere für die Rechte von Beamtinnen und Beamten.

In der Europa-Union und im Förderverein der Gedenkstätte KZ Hinzert e.V. will ich helfen, unsere Gesellschaft weltoffen, pro-europäisch und tolerant zu gestalten. Der europäischen Idee verdanken wir den Frieden und die Demokratie in Europa. Daran müssen wir stets erinnern. Dazu mahnt uns nicht zuletzt unsere eigene deutsche Geschichte.

KATARINA TRANSPARENT

Als Europaabgeordnete erhalte ich eine Entschädigung (auch Diät genannt), die meine Unabhängigkeit als Abgeordnete sicherstellen soll.

Meine monatliche Diät beträgt 8.757,70 Euro. Die Entschädigung wird aus dem Haushalt des Europäischen Parlaments bezahlt und unterliegt einer EU-Gemeinschaftssteuer und einem Unfallversicherungsbeitrag. Wie jede andere Bürgerin zahle ich auch Einkommensteuer in der Bundesrepublik Deutschland, wobei das Doppelbesteuerungsabkommen angewendet wird. Jährliche Sonderzahlungen wie zum Beispiel Weihnachts- oder Urlaubsgeld gibt es nicht.

Im Rahmen der Amtsausstattung erhalte ich eine steuerfreie Kostenpauschale in Höhe von 4.513 Euro pro Monat. Damit bezahle ich unter anderem die Miete und Unterhaltskosten für mein Bürgerbüro, Büromaterial, Telefonrechnungen und Porto, sowie Fahrtkosten in meinem Wahlkreis. Kosten, die über die Pauschale hinausgehen, kann ich nicht steuerlich absetzen.

Zur Erstattung der Kosten der Unterbringung in Straßburg oder in Brüssel, Verpflegung und anderer Kosten erhalte ich an Sitzungstagen des Europäischen Parlaments, an denen ich anwesend bin, eine Pauschalvergütung von 320 Euro. Da Europaabgeordnete – anders als andere Steuerzahlerinnen und Steuerzahler – keine Werbungskosten gegenüber dem Finanzamt geltend machen können, dient die Pauschale zur Abgeltung der Mehrkosten für die doppelte Haushaltsführung (Schweich, Brüssel, Straßburg). Während der Plenartagungen wird das Tagegeld für alle Mitglieder, die nicht mindestens an der Hälfte der namentlichen Abstimmungen teilgenommen haben, um die Hälfte gekürzt – auch wenn sie anwesend waren.

Die Reisekosten der An- und Abreise zu Sitzungen, an denen ich als Abgeordnete teilnehme, werden unter Vorlage von Belegen bei Bahn- und Flugreisen entsprechend der Ticketkosten und bei Autofahrten die direkte km-Verbindung zwischen Wohnort und Dienstort mit 0,51 Euro pro Kilometer erstattet.

Die Mitglieder des Europäischen Parlaments können ihre eigenen Mitarbeiter auswählen. Akkreditierte Assistenten in Brüssel und Straßburg werden gemäß den Beschäftigungsbedingungen für befristet beschäftigtes EU-Personal unmittelbar von der Verwaltung des Parlaments verwaltet. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in meinem Wahlkreis werden von qualifizierten Zahlstellen betreut, die für die Einhaltung der Steuer- und Sozialversicherungsvorschriften Sorge tragen. 2019 beläuft sich der monatliche Höchstbetrag, der für alle hiermit verbundenen Kosten zur Verfügung steht, auf 24.526 Euro. Diese Gelder werden grundsätzlich nicht an die Abgeordneten selbst ausgezahlt.